Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Landesverband Brandenburg

22.04.2009
Landesverband AndersARTiG e.V. und VVN-BdA e.V. Land Brandenburg

Pressemitteilung

Die schändliche Beleidigung der NS-Verfolgten stoppen! "Geschichtspark Klinkerwerk" endlich realisieren!

Der Landesverband AndersARTiG e.V. und die VVN-BdA e.V. Land Brandenburg haben mit Bestürzung zur Kenntnis genommen, daß im Entwurf der Landesregierung zu einem Gedenkstättenkonzept das KZ-Außenlager Klinkerwerk nicht mit aufgenommen wurde.

Das Klinkerwerk galt unter den Häftlingen der KZ Sachsenhausen als „Todeskommando“. In der KZ-Aussenstelle Klinkerwerk wurden zwischen 1939 und 1945 tausende Homosexuelle Opfer des NS-Regimes, was in der Mordaktion 1942 an hunderten schwulen Männern seinen Höhepunkt fand. Heute ist es der authentische Erinnerungsort der NS-Verbrechen an Homosexuellen. Die Ignoranz seitens der Landesregierung gegenüber diesem Ort kann nicht akzeptiert werden.

Die Tausenden Ermordeten, deren sterbliche Überreste sich nach wie vor auf dem Gelände befinden, dürfen nicht vergessen werden! Es ist nicht hinnehmbar, dass somit einer ganzen Gesellschaft das Gedenken an von Nazis ermordete Homosexuelle an einer authentischen Stätte des Verbrechens und Grauens verweigert wird.

1997 wurde in großem Einvernehmen mit den Verbänden der Überlebenden und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten die Empfehlung ausgesprochen einen „Geschichtspark Klinkerwerk“ zu realisieren. Zur Gedenkveranstaltung am ehemaligen Außenlager Klinkerwerk anlässlich des 64. Jahrestages der Befreiung des KZ Sachsenhausen fand nun der Überlebende des KZ Sachsenhausen und Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees Pierre Gouffault emotionale und klare Worte der Kritik. „12 Jahre vergeblicher Hoffnungen, 12 Jahre Vertrauen in das gegebene Wort, um heute, an diesem 20. April 2009, mit Bitterkeit festzustellen zu müssen, dass dieses Vertrauen auf schändliche Weise enttäuscht wurde.“ (die gesamte Rede von Pierre Gouffault ist der Pressemitteilung beigelegt)

Nach der Gedenkveranstaltung am gestrigen Vormittag äußerte sich der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes AndersARTiG e.V. Eric Hein: „Die Verleugnung und Ausgrenzung homosexueller Opfer ist erinnerungspolitisch ein Skandal. Wir fordern die Landesregierung Brandenburg und alle demokratischen Parteien auf, dafür Sorge zu tragen, das ehemalige Außenlager Klinkerwerk in die Gedenkstättenkonzeption aufzunehmen und endlich eine Gedenkstätte für die Ermordeten zu errichten. Wir fordern, den Bestand des Areals für die nächsten Generationen zu sichern und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des 'Geschichtsparks Klinkerwerk' unter Mitwirkung der Opferverbände zu ergreifen.“

© VVN-BdA Brandenburg