8. Mai – Tag der Befreiung

6. Mai 2019

Im Land Brandenburg gibt es eine Vielzahl an Erinnerungsstätten, Gedenkstätten und Friedenhöfen, die an die Befreiung von Ortschaften und Konzentrations- bzw. Außenlager erinnern. Mit dem 8. Mai jährt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 74. Mal. Ziel ist es, sowohl am 8. Mai selbst, als auch an den authentischen Tagen der Befreiung von Orten, die Erinnerung an begangene Verbrechen wachzuhalten, die Befreiung der Roten Armee zu würdigen sowie an Verfolgte und Opfer zu erinnern. In vielen Orten gibt es dazu Gedenkveranstaltungen und Feierlichkeiten.

Im Osten war die Rote Armee in der Weichsel-Oder-Operation bereits Mitte Februar 1945 auf ganzer Länge bis zur Oder vorgerückt. Die Stoßrichtung war Berlin und dazu musste auf brandenburgisches Territorium vorgerückt werden. Mit dem Vorrücken der Roten Armee und als sich die Niederlage der Wehrmacht abzeichnete, begann die SS-Führung mit der Planung der Evakuierung bzw. Ermordung der Häftlinge. So trieb sie unter anderem in Lieberose Anfang Februar 1945 die gehfähigen Häftlinge in Eilmärschen über Potsdam nach Sachsenhausen, wo die meisten ermordet wurden.

Am 16. April eröffnete die Rote Armee ihre Großoffensive entlang der Oderfront mit dem Ziel Berlin. Erinnert sei hier an die Schlacht um die Seelower Höhen und die dortige Gedenkstätte. In Frankfurt/Oder erhöhten die sowjetischen Truppen den Druck auf die Stadt ab dem 20. April, die dann am 23. April einrückten.

Die Räumung des KZ Sachsenhausen begann in den Morgenstunden des 21. April 1945. Mehr als 30.000 Häftlinge trieb die SS nach Nordwesten. An diese Todesmärsche, auch aus dem Konzentrationslager Ravensbrück, erinnern in vielen Dörfern und Ortschaften Gedenksteine und Gedenktafeln. Tausende starben hierbei, ein besonders beeindruckender Ort der Erinnerung ist die Gedenkstätte Beelower Wald. Am 22. April 1945 befreiten Einheiten der sowjetischen und polnischen Armee schließlich etwa 3.000 im Lager zurückgebliebene Häftlinge in Sachsenhausen.

Ein weiterer markanter Ort, allerdings im Süden gelegen, ist das KZ-Außenlager Schlieben des KZ-Stammlagers Buchenwald. Im April 1945, kurz vor der Eroberung durch Truppen der Roten Armee, verließen zwei Häftlingstransporte das Lager in Richtung Theresienstadt. Schlieben wurde am 21. April von der Roten Armee befreit. Nur einen Tag später folgte Cottbus, dort zum Beispiel mit dem großen Zuchthaus.

Sowjetische Truppen rückten am 27. April in Brandenburg/Havel ein und befreiten die Stadt. Einen Tag später wurde das Zuchthaus geräumt, da es zwischen die Fronten zu geraten drohte. Mehr als 3.000 Inhaftierte machten sich auf den schwierigen Weg in ihre Heimatorte. Potsdam folgte am selben Tag. Die Rote Armee nahm die Stadt Potsdam im Zuge der Einkesselung Berlins am 27. April ein. Der Stadtteil Babelsberg wurde schon einige Tage vorher der Roten Armee fast kampflos überlassen.

Auch in Luckenwalde sehnten sich Inhaftierte nach der Befreiung. Das riesige Kriegsgefangenenlager STALAG III A wurde 1945 als eines der letzten Lager überhaupt von der Roten Armee befreit. Im Konzentrationslager Ravensbrück fand die Rote Armee am 30. April 1945 rund 2.000 zurückgelassene Kranke. Doch mit der Befreiung war das Leid für einen Großteil der Inhaftierten aus allen Lagern noch nicht vorbei, denn die Bedingungen und Folgen ihrer Haft sorgten in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren weiterhin für Todesfälle und unbeschreibliche Qualen.

Als einer der letzten Orte wurde Bad Belzig am 3. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges sollten aus dem zum KZ Ravensbrück gehörenden Außenlager Roederhof 600 gefangene Frauen nach Altengrabow evakuiert werden. So wie in Bad Belzig, gab es große KZ-Außenlager und Zwangsarbeit in vielen anderen Ortes des Landes, so beispielsweise in Falkensee, Kleinmachnow oder Schwarzheide, wo ebenfalls Erinnerungsinitiativen bestehen. Zum Schluss sei darauf verwiesen, dass es in vielen Orten im Land Brandenburg sowjetische Ehrenfriedhöfe gibt, die gerade zum 8. Mai (nach Moskauer Zeit am 9. Mai), zum Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus, eine Würdigung verdient haben.

Спасибо! Spasibo! Danke!

Todesmärsche in Brandenburg 1945: Die Räumung des KZ-Komplexes Sachsenhausen

5. April 2019

Der Vortrag widmet sich den nachträglich als „Todesmärsche“ bezeichneten Konzentrationslager-Räumungstransporten in Brandenburg ab Januar 1945. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Räumungsvorbereitungen durch die SS und dem Abtransport der Gefangenen des Konzentrationslagers (KZ) Sachsenhausen. Das KZ Sachsenhausen wurde in den Jahren 1936/37 – im gleichnamigen Ortsteil von Oranienburg bei Berlin – von Gefangenen selbst erbaut. Die Insass*innen hatten Zwangsarbeit in den angegliederten Einrichtungen der SS sowie in den rund um Oranienburg angesiedelten Produktionsbetrieben der Rüstungsindustrie zu leisten. Heutigen Schätzungen zufolge wurden insgesamt 240.000 Menschen im Lagersystem von Sachsenhausen inhaftiert, schätzungsweise 100.000 kamen dabei ums Leben. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde am 22. April 1945 von der Roten Armee befreit. Der Räumungstransport der KZ-Insass*innen begann am 21. April 1945 und endete zwischen dem 3. und 6. Mai 1945 im Raum Parchim-Ludwigslust-Schwerin (heutiges Bundesland Mecklenburg) mit der Befreiung durch die amerikanische und die sowjetische Armee beziehungsweise der Flucht der SS sowie den ihr unterstellten Wachmannschaften und dem Sich-Selbst-Überlassen der Gefangenen. Er führte schätzungsweise 33.000 Gefangene auf mehreren Routen ab Oranienburg durch Dörfer, Städte, ländliches und Waldgebiet in Richtung Nordwesten und machte zum Sammeln der Kolonnen in einem Waldstück bei Below (Wittstock) Halt. Mehr als 1.000 Gefangene starben unterwegs oder wurden zumeist per Kopfschuss von den Wachmannschaften erschossen.

Zeit: 25.04.2019 um 19 Uhr

Ort: Buchladen Sputnik, Charlottenstraße 28, Potsdam

CV
Janine Fubel, M.A., studierte Kulturwissenschaft und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit den deutschen Deportationspraktiken im Zuge nationalsozialistischer Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und promoviert aktuell zum Thema „Todesmarsch aus dem KZ-Sachsenhausen“ ebenfalls an der Humboldt-Universität.

Eine Veranstaltung des Spartacus e.V und der VVN-BdA im Land Brandenburg (Der Eintritt ist frei)

Presseerklärung der VVN-BdA Potsdam

5. März 2019

VVN-BdA Potsdam kritisiert Dr. Axel Drecolls Teilnahme an Veranstaltung der Garnisonkirchenstiftung

In einer Pressemitteilung am 11.02.2010 kritisierte der Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) die geplante Subventionierung des Aufbaus der Potsdamer Garnisonkirche aus Geldern der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel).

Diese Gelder waren für die Umsetzung von wichtigen Gedenk- und Geschichtsprojekten in den östlichen Bundesländern bestimmt. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gab von den insgesamt 3,55 Millionen Euro, die für Brandenburg zur Verfügung standen, gleich zwei Millionen Euro für den Wiederaufbau der Garnisonkirche aus. Aus diesen Mitteln wurde u.a. die temporäre Kapelle gebaut, die heute als Veranstaltungsort für die Garnisonkirchenstiftung dient.

Dass am 06.03.2019 ausgerechnet der neue Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG), Dr. Axel Drecoll an diesem Ort über den Tag von Potsdam mitdiskutieren will, ist ein offener Affront gegen die Opferverbände der NS-Zeit.

Denn die in dem Garnisonkirchenprojekt verbauten Mittel wurden zugleich dem Geschichtspark Klinkerwerk entzogen. Dieser Gedenkort erhielt nur 220.000 Euro aus den PMO-Mitteln und konnte bis heute nicht einmal ansatzweise umgesetzt werden.

Weiß Herr Drecoll nicht, dass das Außenlager Klinkerwerk das Vernichtungskommando des KZ Sachsenhausen war? Ist ihm unbekannt, dass an diesem Ort das nationalsozialistische Programm „Vernichtung durch Arbeit“ vollzogen wurde? Hält er es für akzeptabel, dass seit der Bombardierung des Klinkerwerkes kurz vor Kriegsende die Leichen in Bombentrichtern verscharrt liegen?

Hat Herr Drecoll nicht zur Kenntnis genommen, dass 2009 der Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Pierre Gouffault, in einer bewegenden Rede anlässlich der Befreiungsfeierlichkeiten des Lagers vom damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck einen würdigen Umgang mit diesem Ort forderte?

Statt sich darum zu kümmern, dass auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers endlich Munition beräumt wird und ein angemessener Lern- und Erinnerungsort entsteht, hofiert der neue Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen ausgerechnet den geplanten Wiederaufbau eines Symbols der NS-Täter und diskutiert ausgerechnet an dem Ort, der aus Mitteln aufgebaut wurde, die dem Geschichtspark Klinkerwerk vorenthalten wurden.

Die VVN-BdA fordert Herrn Drecoll auf, seine Teilnahme an der Veranstaltung abzusagen.

Das Potsdamer Versöhnungsallerlei mit geschichtsklitternden Tendenzen kann durch Petra Pau und Martin Sabrow sicher abendfüllend wiedergekäut werden.

VVN-BdA, Ortsgruppe Potsdam

 

Frühjahrsputz für ein würdiges Gedenken an die Spanienkämpfer*innen

28. Februar 2019

Am Potsdamer Treffpunkt Freizeit befindet sich direkt im Eingangsbereich der Gedenkstein für die Spanienkämpfer*innen, also jene antifaschistischen Widerstandskämpfer*innen, die vor allem in den Internationalen Brigaden zwischen den Jahren 1936 und 1939 gegen den Faschismus in Spanien gekämpft haben. Eingeweiht wurde der Gedenkstein anlässlich des 33. Jahrestages der Gründung der Internationalen Brigaden am 04.10.1969.

Im Zuge der Wendezeit und seiner Folgejahre verwitterte der Gedenkstein und wurde vergessen. Erst eine Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Potsdam sorgte ab dem Jahr 2010 zuerst für ein Provisorium und später dann mit der originalgetreuen Messingplakette in Form des Symbols der Interbrigaden wieder für einen würdigen Gedenkort.

Mit einem Aktionsnachmittag im Frühjahr, im 80. Jahr des Abzuges der Internationalen Brigaden und der Beendigung des Krieges, wollen sowohl der Treffpunkt Freizeit als auch die beiden Vereine VVN-BdA sowie Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939 e.V. (KFSR) das Umfeld des Gedenksteins für die Spanienkämpfer*innen sauber machen und neugestalten. Der Aktionsnachmittag findet am 26. März 2019 ab 15 Uhr am Gedenkstein statt. Die Gerätschaften werden vor Ort zur Verfügung gestellt.

Veranstaltung zum Todesmarsch aus Lieberose

15. Februar 2019

Am vergangenen Samstag, den 09.02.2019, fand auf dem Friedhof in Potsdam-Drewitz die Gedenkveranstaltung zum Todesmarsch aus Lieberose statt. Dieser Todesmarsch startete im Außenlager Lieberose des Konzentrationslager Sachsenhausen am 02.02.1945 und erreichte Potsdam-Drewitz am 07.02 bzw. Potsdam am 08.02.1945. Auf dem Friedhof in Drewitz gibt es seit 1946 ein Gedenkstein aus Sandstein, der mit dem Häftlingswinkel, einer Flammenschale sowie der Eingravierung „KZ“ verziert ist. Er trägt die Inschrift: „DEN TOTEN DIE EHRE – DEN LEBENDEN DIE PFLICHT“. In acht Gräbern sind hier mindestens siebzehn unbekannte KZ-Häftlinge des Todesmarsches bestattet. Redebeiträge gab es aus Lieberose von Peter Kotzan, von Christian Raschke aus der VVN-BdA Potsdam und von Isabelle Vandré, Partei Die Linke. Berichte von der Gedenkveranstaltung gab es anschließend in der lokalen Presse und im lokalen Fernsehen.

 

Rede­beitrag des VVN-BdA Pots­dam

Danke für euer Kom­men und sol­i­darische sowie antifaschis­tis­che Grüße von der VVN-BdA Pots­dam. Wir haben uns hier in Pots­dam-Drewitz ver­sam­melt, um an den Todes­marsch der fast 2000 aus dem Konzen­tra­tionslager-Außen­lager Lieberose nach Nor­den in Rich­tung Sach­sen­hausen getriebe­nen Häftlinge zu erin­nern. In Lieberose fand Zwangsar­beit und Ver­nich­tung durch schwere Tätigkeit­en im Rah­men des dor­ti­gen SS-Trup­penübungsplatzes „Kur­mark“ statt. Bere­its Ende Jan­u­ar 1945 gab es den Befehl zur Auflö­sung und Besei­t­i­gung des Lagers und den Abtrans­port von rund 600 jun­gen und kranken Häftlin­gen mit dem Zug nach Sach­sen­hausen, wo sie in der Sta­tion Z ermordet wur­den.

Am 02. Feb­ru­ar 1945 begann der Todes­marsch der knapp 2000 Häftlinge, die zurück­ge­bliebe­nen 1000 Men­schen, also kranke und marschun­fähige, erschossen die SS-Wach­mannschaften und verschar­rten sie anschließend in Gruben. Der Todes­marsch aus Lieberose führte über Goy­atz nach Teupitz und Zossen, weit­er nach Lud­wigs­felde und schließlich am 07. Feb­ru­ar nach Drewitz. Hier über­nachteten sie in ein­er Sche­une auf einem Gut­shof. Am 08. Feb­ru­ar zogen die Häftlinge weit­er durch Pots­dam, mit der Über­nach­tung in ein­er Rei­thalle ein­er Kaserne, bis es nach Falkensee und von wo es hier mit LKW oder S-Bahn zum Zielort nach Sach­sen­hausen weit­erg­ing.

Damit zog dieser Todes­marsch nicht ein­fach nur durch die Stadt Pots­dam, son­dern durch einen Großteil des heuti­gen Land Bran­den­burgs und ver­di­ent deswe­gen unsere Erin­nerung und unser Gedenken. Doch er war nur ein­er von vie­len Todesmärschen, die seit Ende 1944 vor allem im Kerngebi­et Deutsch­lands durchge­führt wur­den. Es waren nicht viele, die die Todesmärsche überlebten. Groß war die Zahl der­er, die tot auf dem Weg zurück­blieben. Hunger, Entkräf­tung, Kälte und Frost und nicht zulet­zt die Qualen der sie beglei­t­en­den SS-Mannschaften und ander­er Trup­pen, aber auch Gehil­fen oder Zivil­bevölkerung, waren ihre Begleit­er.

Auch hier in Drewitz gab es kurz vor dem Weit­er­marsch nach Pots­dam die Aus­sortierung von sogenan­nten Marschun­fähi­gen. Die Häftlinge mussten auf Befehl in ein großes Grab steigen und darin niederknien. Es ist kaum vorstell­bar, welche Gefüh­le die Häftlinge in diesem Moment erlebten. Wer nicht mit marschieren kon­nte, den erschoss unter anderem der SS-Rot­ten­führer Erich Schemel.

Die Todesmärsche sind Ver­brechen, die direkt im Sicht­feld der Bevölkerung stat­tfan­den. Und wie es in der Ein­ladung zur heuti­gen Gedenkver­anstal­tung ste­ht, waren die zahlre­ichen Todesmärsche der lei­den­den Häftlinge, die sich durch Dör­fer, aber auch durch Städte wie Pots­dam quäl­ten, mal­trätiert von ihren Peinigern, aber auch geduldet von der Bevölkerung, unüberse­hbar und der let­zte Akt des nation­al­sozial­is­tis­chen Ter­ror­regimes und sein­er bru­tal­en, anti­semi­tis­chen und ras­sis­tis­chen Ideologie.

Und auf einen Punkt will ich noch kurz einge­hen. Lieberose war nicht auss­chließlich Stan­dort eines Außen­lagers des Konzen­tra­tionslagers in Sach­sen­hausen, son­dern in den let­zten Jahren der nationalsozial­is­tis­chen Herrschaft wurde daraus das größte Konzen­tra­tionslager im Gebi­et des Deutschen Reichs, das in die Ver­nich­tung der europäis­chen Juden einge­bun­den war. Während vom Herb­st 1943 bis zum Som­mer 1944 vor­wiegend poli­tis­che Häftlinge aus Deutsch­land, Frankre­ich, Nor­we­gen, Polen und der Sow­je­tu­nion aus den Konzen­tra­tionslagern Sach­sen­hausen und Groß-Rosen nach Lieberose gebracht wur­den, änderte sich die Sit­u­a­tion mit der Ankun­ft eines Trans­portes von ungarischen Juden im Juni 1944 aus Auschwitz. Der Anteil der jüdis­chen Häftlinge in Lieberose erhöhte sich auf bis zu 90% und damit wurde das Lager zu einem Teil der Shoa auf deutschem Boden, also ein Ver­nich­tungslager hier im Land Bran­den­burg.

Been­den möchte ich meinen Rede­beitrag mit dem Gedicht ein­er 16-jähri­gen Schü­lerin und ihren Erfahrun­gen nach dem Besuch des Konzen­tra­tionslagers Sach­sen­hausen, in dem sie die schein­bare Ahnungslosigkeit aller Beteiligten und Nicht-Beteiligten, sowie das Unfass­bare der Ver­nich­tung aber auch gle­ichzeit­ig die Wichtigkeit des heuti­gen Erin­nern und Gedenkens zum Aus­druck bringt:

Ein Baum wird gepflanzt

– die Trauer­wei­de –

Kann nichts fühlen

nichts ver­ste­hen

Doch jedes Blatt

und jed­er Zweig

erzählt ihre Geschichte

 

Ein Baum wird gepflanzt

– die Trauer­wei­de –

Hörte Schreie

sah die Qualen

Und heut

ver­sucht sie

uns zu zeigen

wie hil­f­los

alle waren

Ausschnitt des PNN-Artikel vom Montag, den 11.02.2019 (Autorin: Stefanie Schuster)

Gedenkveranstaltung anlässlich des Todesmarsches aus dem KZ Lieberose/Jamlitz

28. Januar 2019

Hiermit laden wir Sie herzlich zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Todesmarsches aus dem KZ Lieberose/Jamlitz am Samstag, den 09.02.2019, um 11 Uhr auf den Friedhof in Drewitz ein.

In Lieberose befand sich nicht nur ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, sondern Lieberose war vor allem in den letzten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft das größte Konzentrationslager im Gebiet des Deutschen Reichs, dass in die Vernichtung der europäischen Juden eingebunden war.

Der Todesmarsch aus Lieberose, mit dem Ziel des Konzentrationslagers in Sachsenhausen, führte zwischen dem 07.02.1945 und dem 09.02.1945 durch Drewitz und Potsdam. Ursächlich für den Transport der Häftlinge waren die rassistischen Überlegungen zur Vernichtung dieser Menschen trotz der allgemeinen Kriegslage und die Befürchtungen der Nationalsozialisten, dass die Überlebenden über ihre Verbrechen Auskunft geben konnten. Die Todesmärsche waren die letzte Konsequenz des Ausdrucks der nationalsozialistischen Ansicht über jenes rassistische Menschenbild und dem Anspruch die „Stärkeren“ zu sein.

So kam es, dass in den letzten Kriegsmonaten die Verbrechen der Deutschen vor den Haustüren keinen Halt machten. Unübersehbar waren die zahlreichen Todesmärsche der leidenden Häftlinge, die sich durch Dörfer, aber auch durch Städte wie Potsdam quälten, malträtiert von ihren Peinigern, aber auch geduldet von der Bevölkerung.

Gerade diese Erinnerung an diese Taten muss heute aktueller denn je sein. Die deutsche Geschichte und Verantwortung werden derzeit leider immer wieder verharmlost, relativiert oder ganz abgeschnitten.

Deswegen freuen wir uns, Sie am 09.02.2019, um 11 Uhr auf dem Friedhof in Potsdam-Drewitz begrüßen zu dürfen.

VVN-BdA Potsdam, Die Andere, Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V. und Die Linke Kreisverband Potsdam

Holocaust-Gedenktag am 27.01.

16. Januar 2019

Bündnisaufruf aus Potsdam:

Am 27.01.1945 wurde das Massenvernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit.

74 Jahre nach der Befreiung wollen wir mit euch gemeinsam an die Geschehnisse erinnern und den Opfern gedenken. In Zeiten, in den die deutsche Geschichte verharmlost, relativiert oder geleugnet wird, ist es umso wichtiger, die Erinnerungen aufrecht zu erhalten. Nur durch die Auseinandersetzung mit dem Grauen der Vernichtungslager ist es möglich, Schlüsse für das Heute ziehen zu können.

Antisemitismus, Nationalismus und Faschismus sind immer noch weit verbreitet und müssen von uns erkannt und bekämpft werden.

Darum kommt am 27.01.2019 um 18.00 Uhr zum Denkmal für die Opfer des Faschismus auf den Platz der Einheit in Potsdam.

Erinnern – Gedenken – Handeln!

NSU-Untersuchungsausschuss Brandenburg

8. Januar 2019

Seit Juli 2016, mit der 1. konstituierenden Sitzung, tagt in Brandenburg der Untersuchungsausschuss zum NSU („Nationalsozialistischer Untergrund”). Seitdem sind fast 40 Sitzungen vergangen und nun, zweieinhalb Jahre später, soll die Arbeit ein Ende finden. Am Freitag, den 11.01.2019, wird noch einmal der VS-Mann und Zeuge „Piatto“ gehört werden. Er gilt als einer der zwielichtigen Neonazis und Zeugen in diesem Untersuchungsausschuss, immerhin erhielt er für seine Informationen zehntausende Euro vom brandenburgischen Verfassungsschutz und lieferte bereits kurz nach dem Abtauchen des Trios (Zschäpe, Mundlos und Böhnhard) konkrete Hinweise zum NSU und deren Verbleib.

Die Fragen, die NSU Watch Brandenburg, Teil des bundesweiten NSU Watch-Netzwerkes aus antifaschistischen und antirassistischen Initiativen und Einzelpersonen und Portal mit vielen Materialien und Dokumenten, stellt, sind deshalb richtig: Hätten Brandenburger Behörden die Morde verhindern können? Finanzierte der Brandenburger Verfassungsschutz mit der Bezahlung seines V-Manns „Piatto“ und anderer V-Personen den Auf- und Ausbau der Brandenburger Neonaziszene maßgeblich mit? Welche neonazistischen Strukturen und Protagonist*innen waren für Anschläge, Überfälle und Morde in Brandenburg verantwortlich?

Für alle Interessierten empfehlen wir die Webseite: NSU Watch Brandenburg

In Erinnerung an Willi Frohwein

12. Dezember 2018

Heute, zu seinem 9. Todestag, erinnern wir an den Antifaschisten Willi Frohwein, der am 12.12.2009 im Alter von 86 Jahren in seiner Potsdam-Babelsberger Wohnung verstarb. Willi Frohwein überlebte Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen. Er war ein stetiger Begleiter unserer Organisation und ein unermüdlicher Kämpfer als Zeitzeuge in der antifaschistischen Arbeit, vor allem mit Jugendlichen an Schulen. Am 9. November 2005 durfte sich Willi Frohwein in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Potsdam eintragen. In Potsdam-Babelsberg erinnert an ihn ein Platz mit seiner Namensgebung und regelmäßig finden dort Gedenkveranstaltungen statt.

Gedenkseite für Willi Frohwein (Facebook)

Gegen das neue Polizeigesetz im Land Brandenburg

13. November 2018

Der Landesverband der VVN-BdA ist Teil des Bündnisses gegen das neue Polizeigesetz im Land Brandenburg, welches sich im Sommer formierte. In dem strömungsübergreifenden Bündnis sind neben linken und grünen Parteien, Gruppen und Vereinen auch Initiativen von Geflüchteten, Fußballfans, Gewerkschaften und Studierendenverbände oder Antirepressionsgruppen beteiligt. Am Samstag, den 10.11.2018, zogen mehr als 2300 Demonstrierende lautstark und vielfältig durch die Potsdamer Innenstadt. Sie zeigten damit, wer das Polizeigesetz verschärfen und Grundrechte einschränken will, muss mit Protest aus allen gesellschaftlichen Schichten rechnen.

Webseite des Bündnis

 

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