Antifaschismus muss gemeinnützig bleiben! Schwerer Angriff auf die VVN-BdA

24. November 2019

Am 4. November hat das Finanzamt für Körperschaften I des Landes Berlin der Bundesvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e.V. die Gemeinnützigkeit entzogen. Damit verbunden sind vorerst Steuernachforderungen in fünfstelliger Höhe, die noch in diesem Jahr fällig werden. Weitere erhebliche Nachforderungen sind zu erwarten und auch zukünftig drohen wesentlich höhere steuerliche Belastungen. Damit ist die VVN-BdA in ihrer Existenz bedroht.

Das Finanzamt Berlin handelt damit anders, als das Finanzamt Oberhausen-Süd, das der Landesvereinigung NRW die Gemeinnützigkeit am 22. Oktober gewährt hat. In beiden Fällen war derselbe Vorwurf erhoben worden. Er besteht darin, dass die Landesvereinigung Bayern der VVN-BdA im bayrischen Verfassungsschutzbericht wiederholt als linksextremistisch beeinflusst dargestellt wird. Während das Finanzamt Oberhausen-Süd der Widerrede der VVN-BdA im Anhörungsverfahren entsprach, beharrt das Berliner darauf, dass „der volle Beweis des Gegenteils, als Widerlegung der Vermutung als extremistische Organisation“ nicht erbracht worden sei.

Das bedeutet, dass die Bewertung durch eine nachgeordnete bayrische Landesbehörde, die laut bayrischem Gerichtshof keine Tatsachenbehauptung darstellt, demnach über das Schicksal einer bundesweit arbeitenden zivilgesellschaftlichen Organisation entscheiden dürfen soll.

Von Überlebenden der Konzentrationslager und Gefängnisse 1947 gegründet, ist die VVN-BdA seitdem die größte, älteste, überparteiliche und überkonfessionelle Organisation von Antifaschistinnen und Antifaschisten Deutschlands. Sie vertritt die Interessen von Verfolgten und Widerstandskämpfern, sowie deren Nachkommen, tritt für Frieden und Völkerverständigung ein und hat gegen große gesellschaftliche Widerstände wesentlich dafür gesorgt, dass die Verbrechen des Nazi-Regimes nicht in Vergessenheit geraten sind, u.a. durch den Einsatz für die Errichtung von Gedenkstätten und Erinnerungsorten und vielfache Zeitzeugenarbeit. Sie informiert über aktuelle neofaschistische Umtriebe und organisiert den Widerstand in breiten Bündnissen.

Wir sind entsetzt und empört darüber, dass sich das Berliner Finanzamt die haltlosen Unterstellungen der bayrischen Behörde ungeprüft zu eigen macht. Damit behindert es genau das zivilgesellschaftliche Engagement, das von Regierung und Parteien angesichts schrecklicher rechtsterroristischer Verbrechen allenthalben eingefordert wird.

Wir fordern die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für unsere Organisation!

Wir fordern praktische Unterstützung für alle zivilgesellschaftlichen Gruppen und Organisationen, die die Grundwerte des Grundgesetzes gegen rassistische, antisemitische, nationalistische und neofaschistische Angriffe verteidigen!

Presseerklärung: VVN-BdA kritisiert Potsdamer Polizei

22. November 2019

Presseerklärung: VVN-BdA kritisiert Potsdamer Polizei

Die Potsdamer Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnnen und Antifaschisten (VVN-BdA) kritisiert die wiederholte Störung von zwei Gedenkveranstaltungen durch die Potsdamer Polizei in den letzten Tagen.

Am Samstag, dem 09.11.2019 störte die Polizei das seit vielen Jahren stattfindende Gedenkenan die Reichspogromnacht von 1938. Dieses Gedenken wird von antifaschistischen Gruppen und der VVN-BdA organisiert und findet jedes Jahr am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Platz der Einheit statt.

Auch am Dienstag, dem 12.11.2019, beim Gedenken an die Ermordung Herbert Ritters im Jahr 1931 am Babelsberger Weberplatz störte die Polizei das Gedenken.

In beiden Fällen liefen uniformierte Polizisten während der Gedenkzeremonie durch anwesende Personengruppen und störten durch laute Unterhaltungen oder durch das geräuschvolle Abparken der Einsatzwagen in unmittelbarer Umgebung. Sie fragten, wer der Versammlungsleiter sei und notierten die Namen von Teilnehmer*innen der Gedenkveranstaltungen.

Wir sehen in diesem Verhalten einen schweren Eingriff in die Gedenkkultur der Landeshauptstadt Potsdam. Vor über 20 Jahren teilte die Potsdamer Staatsanwaltschaft mit, dass Gedenkveranstaltungen nicht anmeldepflichtig sind, wenn sie an einem dafür bestimmten Ort von einem begrenzten Personenkreis abgehalten werden. Seitdem finden Gedenkveranstaltungen in Potsdam ohne Anmeldezwang statt, wenn kein besonderer Bedarf für polizeiliche Maßnahmen besteht.

Die VVN-BdA wird auch künftig nicht mit der Polizei darüber verhandeln, ob und in welcher Form wir an extra dafür geschaffenen Gedenkorten an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern dürfen. Als Verband, der von den Opfern des Nationalsozialismus gegründet wurde, finden wir das Verhalten der Polizei zutiefst beschämend und verurteilen es. Während in Deutschland der Rechtsterrorismus und Anschläge auf Andersdenkende und Geflüchtete weiter zunehmen, sowie Antisemitismus und Rassismus im Allgemeinen ein zunehmendes gesellschaftliches Problem darstellen, hat die Potsdamer Polizei nichts anderes zu tun, als Gedenkveranstaltungen zu stören und zu kriminalisieren.

Seit 20 Jahren konnten in Potsdam antifaschistische Gedenkveranstaltungen ohne nennenswerte Störungen durchgeführt werden. Warum die Potsdamer Polizei in diesen Gedenkveranstaltungen nun eine Gefahr sieht, warum sie Namen von Teilnehmer*innen notiert und warum sie verantwortliche Personen benannt haben will, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Polizei täte gut daran, in einer Stadt, die sich Toleranz und Vielfalt auf die Fahnen geschrieben hat, weiterhin ein würdiges Gedenken an die Opfer von Antisemitismus, Faschismus und Rassismus zuzulassen und künftig pietätlose Störmanöver in Gedenkveranstaltungen zu unterlassen.

VVN-BdA Potsdam

Presseerklärung als PDF-Dokument

Erinnerungsstunde für Willi Frohwein

18. November 2019

In diesem Jahr jährt sich der 10. Todestag des Antifaschisten und Auschwitz-Überlebenden Willi Frohwein, der am 12.12.2009 im Alter von 86 Jahren in Potsdam-Babelsberg verstarb.

Willi Frohwein engagierte sich vor allem in der politischen Bildungsarbeit mit jungen Menschen und war Gründungsmitglied des Landesverbandes der VVN-BdA in Brandenburg. Als Würdigung für sein Wirken durfte er sich in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Potsdam eintragen.

Am Donnerstag, den 12.12.2019, wird um 19 Uhr eine kulturelle Veranstaltung im Kino Thalia (Rudolf-Breitscheid-Str. 50, 14482 Potsdam-Babelsberg) stattfinden.

Gezeigt wird unter anderem ein Dokumentarfilm über Willi Frohwein, wir widmen uns einigen Episoden aus seinem Leben und Wirken, Freunde und Familie werden zu Wort kommen und wir hören Musik.

Gedenken an die Reichspogromnacht am 09.11.

21. Oktober 2019

In der Landeshauptstadt Potsdam findet in diesem Jahr wieder unter Mitwirkung der VVN-BdA ein vielfältiges Gedenken an die Reichspogromnacht von 1938 statt. Die Veranstaltungen beginnen schon morgen und ziehen sich bis zum 12.11. Im Mittelpunkt stehen die beiden Gedenkveranstaltungen am Jahrestag der Reichspogromnacht in Potsdam und in Potsdam-Babelsberg.

 

22.10.2019 // 18 Uhr // Sputnik Potsdam

Potsdams Gedenktafeln und -Orte – Vortrag

 

29.10.2019 // 18 Uhr // Platz der Einheit

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ – Workshop

 

03.11.2019 // 18 Uhr // Kuze Potsdam

Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie – Lesung

 

05.11.2019 // 18 Uhr // Seminarraum Freiland Potsdam

Antisemitismus in deutschen Familien – Vortrag

 

09.11.2019 // 11 Uhr // Spitzweggasse 2a Babelsberg

Gedenkveranstaltung am ehemaligen Jüdischen Altenheim

 

09.11.2019 // 18 Uhr // Platz der Einheit

Gedenkveranstaltung

 

12.11.2019 // 18 Uhr // Cafe HausZwei Freiland

Vilma Steindling – Eine jüdische Kommunistin im Widerstand – Lesung und Gespräch

Solidarität mit den in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden – gerade jetzt!

10. Oktober 2019

Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir den Aufruf der Berliner VVN-BdA:

 

Liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe und verehrte Freunde,

fassungslos erfuhren wir, dass es am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, dem Versöhnungstag, einen Anschlag auf die vollbesetzte Synagoge in Halle gegeben hat. Zwei Menschen wurden erschossen, weitere schwer verletzt. Womöglich konnte Schlimmeres dank der festen und besonnenen Handlungsweise der Jüdischen Gemeinde von Halle verhindert werden, die die Türen der Synagoge von innen verbarrikadiert hatte. Eines steht fest: Das Datum ist bewusst gewählt. Ein Freudentag für alle Jüdinnen und Juden soll durch die Bluttat in Halle mit Schrecken versehen werden.

Inzwischen wurde ein Täter verhaftet. Eindeutig ist der rechtsextreme und antisemitische Hintergrund der Tat, und wieder einmal steht jetzt schon fest, dass es sich bei dem „bisher unaufffälligen“ 27-Jährigen aus Eisleben um einen „Einzeltäter“ handelt. Tatsächlich? Erneut rächt sich, dass Antisemitismus in diesem Land nicht konsequent bekämpft wird, dass die Bundesrepublik Deutschland zögerlich gegen rechtsextremistische Umtriebe vorgeht, dass der NSU-Komplex mit seinen Hintergründen nicht aufgeklärt wurde, dass die rechtsradikalen und neofaschistischen Netzwerke bei Polizei, Bundeswehr, Verfassungsschutz nicht konsequent aufgedeckt und verfolgt werden, dass neofaschistische Kampfsportgruppen, Organisationen und Parteien nicht verboten werden. In Deutschland lebende Jüdinnen und Juden fühlen sich in diesem Land zunehmend nicht mehr sicher – trotz Polizeischutz und Sicherheitsmaßnahmen. Die Berliner VVN-BdA erklärt ihre Solidarität mit den Betroffenen und den jüdischen Gemeinden in Deutschland und steht fest an ihrer Seite. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Doch Betroffenheitsbekundungen reichen nicht aus.

Wir fordern weiter das Verbot aller rechtsextremistischen, neofaschistischen Organisationen und Netzwerke, denn sie sind inzwischen zu einer realen Bedrohung der Demokratie in diesem Land geworden. Es ist höchste Zeit, dass alle demokratischen Kräfte sich zusammentun, um den erneut aufkommenden braunen Spuk schnellstens zu beenden. Wann, wenn nicht jetzt, muss ein Abgleiten der Gesellschaft in die Faschisierung gestoppt werden. „Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf…“ (Erich Kästner).

Die Berliner VVN-BdA

Landtagswahlen im September 2019

31. Juli 2019

Am 1. September stehen in Brandenburg die Landtagswahlen an, es bleibt also noch ein ganzer Monat. Derzeitige Umfragen sehen die rassistische und rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) weit vorn. Es droht, dass sie die meist gewählte Partei im Landtag wird. Aus demokratischer und antifaschistischer Sicht wäre dies ein enormer Rückschritt, schließlich gilt der brandenburgische Landesverband der AfD unter ihrem Vorsitzenden Kalbitz als ein rechtsextremer Landesverband.

Mehrere Gruppen und Organisationen planen im Vorfeld der Landtagswahlen verschiedene Aktionsformen. Dazu zählen Demonstrationen, Konzerte und Veranstaltungen. Auf dem Webportal Inforiot gibt es eine Auflistung von Terminen in Brandenburg. Auch die bundesweiten Kampagnen „Nationalismus ist keine Alternative“ und „Aufstehen gegen Rassismus“ verfügen über Materialien und Terminkalender. Verwiesen sei noch einmal auf das landesweite Netzwerk „Aktionsbündnis Brandenburg“, in dem fast 30 Brandenburger Organisationen koordiniert sind.

Wir, als VVN-BdA Land Brandenburg, erhoffen uns nicht nur im Zuge des Wahlkampfes eine zivil-gesellschaftliche Mobilisierung gegen Populismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Dabei braucht es die AfD gar nicht in der politischen Regierungsverantwortung wie im Landtag und in den Kreisen, um ihr rassistisches sowie demokratie- und menschenfeindliches Bild im Alltag zu spüren. Sich dagegen einzusetzen und eine demokratische und tolerante Gesellschaft im Blick zu haben muss unser aller Verantwortung und Ziel sein.

Webseite Inforiot

Webseite „Nationalismus ist keine Alternative“

Webseite „Aufstehen gegen Rassismus“

Webseite „Aktionsbündnis Brandenburg“

8. Mai – Tag der Befreiung

6. Mai 2019

Im Land Brandenburg gibt es eine Vielzahl an Erinnerungsstätten, Gedenkstätten und Friedenhöfen, die an die Befreiung von Ortschaften und Konzentrations- bzw. Außenlager erinnern. Mit dem 8. Mai jährt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 74. Mal. Ziel ist es, sowohl am 8. Mai selbst, als auch an den authentischen Tagen der Befreiung von Orten, die Erinnerung an begangene Verbrechen wachzuhalten, die Befreiung der Roten Armee zu würdigen sowie an Verfolgte und Opfer zu erinnern. In vielen Orten gibt es dazu Gedenkveranstaltungen und Feierlichkeiten.

Im Osten war die Rote Armee in der Weichsel-Oder-Operation bereits Mitte Februar 1945 auf ganzer Länge bis zur Oder vorgerückt. Die Stoßrichtung war Berlin und dazu musste auf brandenburgisches Territorium vorgerückt werden. Mit dem Vorrücken der Roten Armee und als sich die Niederlage der Wehrmacht abzeichnete, begann die SS-Führung mit der Planung der Evakuierung bzw. Ermordung der Häftlinge. So trieb sie unter anderem in Lieberose Anfang Februar 1945 die gehfähigen Häftlinge in Eilmärschen über Potsdam nach Sachsenhausen, wo die meisten ermordet wurden.

Am 16. April eröffnete die Rote Armee ihre Großoffensive entlang der Oderfront mit dem Ziel Berlin. Erinnert sei hier an die Schlacht um die Seelower Höhen und die dortige Gedenkstätte. In Frankfurt/Oder erhöhten die sowjetischen Truppen den Druck auf die Stadt ab dem 20. April, die dann am 23. April einrückten.

Die Räumung des KZ Sachsenhausen begann in den Morgenstunden des 21. April 1945. Mehr als 30.000 Häftlinge trieb die SS nach Nordwesten. An diese Todesmärsche, auch aus dem Konzentrationslager Ravensbrück, erinnern in vielen Dörfern und Ortschaften Gedenksteine und Gedenktafeln. Tausende starben hierbei, ein besonders beeindruckender Ort der Erinnerung ist die Gedenkstätte Beelower Wald. Am 22. April 1945 befreiten Einheiten der sowjetischen und polnischen Armee schließlich etwa 3.000 im Lager zurückgebliebene Häftlinge in Sachsenhausen.

Ein weiterer markanter Ort, allerdings im Süden gelegen, ist das KZ-Außenlager Schlieben des KZ-Stammlagers Buchenwald. Im April 1945, kurz vor der Eroberung durch Truppen der Roten Armee, verließen zwei Häftlingstransporte das Lager in Richtung Theresienstadt. Schlieben wurde am 21. April von der Roten Armee befreit. Nur einen Tag später folgte Cottbus, dort zum Beispiel mit dem großen Zuchthaus.

Sowjetische Truppen rückten am 27. April in Brandenburg/Havel ein und befreiten die Stadt. Einen Tag später wurde das Zuchthaus geräumt, da es zwischen die Fronten zu geraten drohte. Mehr als 3.000 Inhaftierte machten sich auf den schwierigen Weg in ihre Heimatorte. Potsdam folgte am selben Tag. Die Rote Armee nahm die Stadt Potsdam im Zuge der Einkesselung Berlins am 27. April ein. Der Stadtteil Babelsberg wurde schon einige Tage vorher der Roten Armee fast kampflos überlassen.

Auch in Luckenwalde sehnten sich Inhaftierte nach der Befreiung. Das riesige Kriegsgefangenenlager STALAG III A wurde 1945 als eines der letzten Lager überhaupt von der Roten Armee befreit. Im Konzentrationslager Ravensbrück fand die Rote Armee am 30. April 1945 rund 2.000 zurückgelassene Kranke. Doch mit der Befreiung war das Leid für einen Großteil der Inhaftierten aus allen Lagern noch nicht vorbei, denn die Bedingungen und Folgen ihrer Haft sorgten in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren weiterhin für Todesfälle und unbeschreibliche Qualen.

Als einer der letzten Orte wurde Bad Belzig am 3. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges sollten aus dem zum KZ Ravensbrück gehörenden Außenlager Roederhof 600 gefangene Frauen nach Altengrabow evakuiert werden. So wie in Bad Belzig, gab es große KZ-Außenlager und Zwangsarbeit in vielen anderen Ortes des Landes, so beispielsweise in Falkensee, Kleinmachnow oder Schwarzheide, wo ebenfalls Erinnerungsinitiativen bestehen. Zum Schluss sei darauf verwiesen, dass es in vielen Orten im Land Brandenburg sowjetische Ehrenfriedhöfe gibt, die gerade zum 8. Mai (nach Moskauer Zeit am 9. Mai), zum Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus, eine Würdigung verdient haben.

Спасибо! Spasibo! Danke!

Todesmärsche in Brandenburg 1945: Die Räumung des KZ-Komplexes Sachsenhausen

5. April 2019

Der Vortrag widmet sich den nachträglich als „Todesmärsche“ bezeichneten Konzentrationslager-Räumungstransporten in Brandenburg ab Januar 1945. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Räumungsvorbereitungen durch die SS und dem Abtransport der Gefangenen des Konzentrationslagers (KZ) Sachsenhausen. Das KZ Sachsenhausen wurde in den Jahren 1936/37 – im gleichnamigen Ortsteil von Oranienburg bei Berlin – von Gefangenen selbst erbaut. Die Insass*innen hatten Zwangsarbeit in den angegliederten Einrichtungen der SS sowie in den rund um Oranienburg angesiedelten Produktionsbetrieben der Rüstungsindustrie zu leisten. Heutigen Schätzungen zufolge wurden insgesamt 240.000 Menschen im Lagersystem von Sachsenhausen inhaftiert, schätzungsweise 100.000 kamen dabei ums Leben. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde am 22. April 1945 von der Roten Armee befreit. Der Räumungstransport der KZ-Insass*innen begann am 21. April 1945 und endete zwischen dem 3. und 6. Mai 1945 im Raum Parchim-Ludwigslust-Schwerin (heutiges Bundesland Mecklenburg) mit der Befreiung durch die amerikanische und die sowjetische Armee beziehungsweise der Flucht der SS sowie den ihr unterstellten Wachmannschaften und dem Sich-Selbst-Überlassen der Gefangenen. Er führte schätzungsweise 33.000 Gefangene auf mehreren Routen ab Oranienburg durch Dörfer, Städte, ländliches und Waldgebiet in Richtung Nordwesten und machte zum Sammeln der Kolonnen in einem Waldstück bei Below (Wittstock) Halt. Mehr als 1.000 Gefangene starben unterwegs oder wurden zumeist per Kopfschuss von den Wachmannschaften erschossen.

Zeit: 25.04.2019 um 19 Uhr

Ort: Buchladen Sputnik, Charlottenstraße 28, Potsdam

CV
Janine Fubel, M.A., studierte Kulturwissenschaft und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit den deutschen Deportationspraktiken im Zuge nationalsozialistischer Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und promoviert aktuell zum Thema „Todesmarsch aus dem KZ-Sachsenhausen“ ebenfalls an der Humboldt-Universität.

Eine Veranstaltung des Spartacus e.V und der VVN-BdA im Land Brandenburg (Der Eintritt ist frei)

Presseerklärung der VVN-BdA Potsdam

5. März 2019

VVN-BdA Potsdam kritisiert Dr. Axel Drecolls Teilnahme an Veranstaltung der Garnisonkirchenstiftung

In einer Pressemitteilung am 11.02.2010 kritisierte der Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) die geplante Subventionierung des Aufbaus der Potsdamer Garnisonkirche aus Geldern der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel).

Diese Gelder waren für die Umsetzung von wichtigen Gedenk- und Geschichtsprojekten in den östlichen Bundesländern bestimmt. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gab von den insgesamt 3,55 Millionen Euro, die für Brandenburg zur Verfügung standen, gleich zwei Millionen Euro für den Wiederaufbau der Garnisonkirche aus. Aus diesen Mitteln wurde u.a. die temporäre Kapelle gebaut, die heute als Veranstaltungsort für die Garnisonkirchenstiftung dient.

Dass am 06.03.2019 ausgerechnet der neue Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG), Dr. Axel Drecoll an diesem Ort über den Tag von Potsdam mitdiskutieren will, ist ein offener Affront gegen die Opferverbände der NS-Zeit.

Denn die in dem Garnisonkirchenprojekt verbauten Mittel wurden zugleich dem Geschichtspark Klinkerwerk entzogen. Dieser Gedenkort erhielt nur 220.000 Euro aus den PMO-Mitteln und konnte bis heute nicht einmal ansatzweise umgesetzt werden.

Weiß Herr Drecoll nicht, dass das Außenlager Klinkerwerk das Vernichtungskommando des KZ Sachsenhausen war? Ist ihm unbekannt, dass an diesem Ort das nationalsozialistische Programm „Vernichtung durch Arbeit“ vollzogen wurde? Hält er es für akzeptabel, dass seit der Bombardierung des Klinkerwerkes kurz vor Kriegsende die Leichen in Bombentrichtern verscharrt liegen?

Hat Herr Drecoll nicht zur Kenntnis genommen, dass 2009 der Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Pierre Gouffault, in einer bewegenden Rede anlässlich der Befreiungsfeierlichkeiten des Lagers vom damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck einen würdigen Umgang mit diesem Ort forderte?

Statt sich darum zu kümmern, dass auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers endlich Munition beräumt wird und ein angemessener Lern- und Erinnerungsort entsteht, hofiert der neue Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen ausgerechnet den geplanten Wiederaufbau eines Symbols der NS-Täter und diskutiert ausgerechnet an dem Ort, der aus Mitteln aufgebaut wurde, die dem Geschichtspark Klinkerwerk vorenthalten wurden.

Die VVN-BdA fordert Herrn Drecoll auf, seine Teilnahme an der Veranstaltung abzusagen.

Das Potsdamer Versöhnungsallerlei mit geschichtsklitternden Tendenzen kann durch Petra Pau und Martin Sabrow sicher abendfüllend wiedergekäut werden.

VVN-BdA, Ortsgruppe Potsdam

 

Frühjahrsputz für ein würdiges Gedenken an die Spanienkämpfer*innen

28. Februar 2019

Am Potsdamer Treffpunkt Freizeit befindet sich direkt im Eingangsbereich der Gedenkstein für die Spanienkämpfer*innen, also jene antifaschistischen Widerstandskämpfer*innen, die vor allem in den Internationalen Brigaden zwischen den Jahren 1936 und 1939 gegen den Faschismus in Spanien gekämpft haben. Eingeweiht wurde der Gedenkstein anlässlich des 33. Jahrestages der Gründung der Internationalen Brigaden am 04.10.1969.

Im Zuge der Wendezeit und seiner Folgejahre verwitterte der Gedenkstein und wurde vergessen. Erst eine Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Potsdam sorgte ab dem Jahr 2010 zuerst für ein Provisorium und später dann mit der originalgetreuen Messingplakette in Form des Symbols der Interbrigaden wieder für einen würdigen Gedenkort.

Mit einem Aktionsnachmittag im Frühjahr, im 80. Jahr des Abzuges der Internationalen Brigaden und der Beendigung des Krieges, wollen sowohl der Treffpunkt Freizeit als auch die beiden Vereine VVN-BdA sowie Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939 e.V. (KFSR) das Umfeld des Gedenksteins für die Spanienkämpfer*innen sauber machen und neugestalten. Der Aktionsnachmittag findet am 26. März 2019 ab 15 Uhr am Gedenkstein statt. Die Gerätschaften werden vor Ort zur Verfügung gestellt.

Ältere Nachrichten ·