75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz

28. Januar 2020

Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wurde in vielen Orten des Landes Brandenburgs der Opfer des Holocaust gedacht. In der Landeshauptstadt Potsdam wurden gleich mehrere Veranstaltungen durchgeführt, so die beiden städtischen Gedenken als auch die alternativen antifaschistischen Gedenkveranstaltungen. Während das städtische Gedenken am Willi-Frohwein-Platz aufgrund des Namensgebers noch einen authentischen Hintergrund hat, so steht die zentrale Veranstaltung in der Gedenkstätte Lindenstraße im Widerspruch zu einer differenzierten antifaschistischen Erinnerungskultur.

Seit mehreren Jahren führt die Stadt Potsdam in der Gedenkstätte Lindenstraße am Internationalen Gedenktag des Holocausts eine Veranstaltung durch. Mehrfach haben wir darauf hingewiesen, dass in der Lindenstraße ein würdiger Gedenkort fehlt, der von den überlebenden Opfern des NS-Terrors akzeptiert wird. Die im Gedenkstättenhof stehende Plastik „Das Opfer“ umfasst alle in der Lindenstraße im 20. Jahrhundert Verfolgten, auch der Täter der NS-Zeit, die dort nach 1945 inhaftiert waren. Eine derart pauschale Gleichsetzung mit den NS-Verfolgten lehnt die VVN-BdA ab. Eine Gleichsetzung aller Opfer führt nun auch dazu, dass der Oberbürgermeister und die AfD gleichermaßen an der Veranstaltung teilnehmen. Welch eine Verhöhnung der Opfer und leider kein Einzelfall im Land.

Im Gegensatz dazu waren die alternativen antifaschistischen Gedenkveranstaltungen, so zum Beispiel der Stolpersteinspaziergang von Fußballfans des SV Babelsberg 03 mit rund 50 Teilnehmenden oder das abendliche antifaschistische Gedenken am OdF-Denkmal und am sowjetischen Ehrenfriedhof in der Potsdamer Innenstadt, organisiert von der EAP und der VVN-BdA, mit rund 300 Anwesenden nicht nur sehr gut besucht, sondern auch würdevoll in Ehren an die Opfer durchgeführt.

Erinnerungsstunde an Willi Frohwein

14. Dezember 2019

Am vergangenen Donnerstag, den 12.12.2019, gedachten Familie, Freunde und politische Weggefährt*innen an den 10. Todestag von Willi Frohwein. Willi Frohwein war Gründungsmitglied der VVN im Jahr 1947 und 60 Jahre später Gründungsmitglied des neugegründeten Landesverbandes Brandenburg der VVN-BdA. Von den Nazis zum Halbjuden degradiert, überlebte er Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen. Für sein politisches und antifaschistisches Engagement, besonders in der Zeitzeugenarbeit mit jungen Menschen, durfte er sich in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Potsdam eintragen.

 

Im Kino Thalia erinnerten wir an Willi Frohwein, sahen eine Dokumentation über ihn und Otto Wiesner, erzählten Anekdoten und Begebenheiten aus seinem Leben, gedachten seiner unermüdlichen bildungspolitischen Arbeit und kritischen Auseinandersetzungen. Wir hörten verschiedene Grußworte von politischen Organisationen und lasen aus seinem Buch „Von Spandau nach Auschwitz“. Schülerinnen und Schüler aus dem Gymnasium Babelsberg stellten ihre Arbeit zur Umgestaltung des Willi-Frohwein-Platzes vor. Beendet wurde der Abend mit dem Singen von drei Liedern.

Antifaschismus muss gemeinnützig bleiben! Schwerer Angriff auf die VVN-BdA

24. November 2019

Am 4. November hat das Finanzamt für Körperschaften I des Landes Berlin der Bundesvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e.V. die Gemeinnützigkeit entzogen. Damit verbunden sind vorerst Steuernachforderungen in fünfstelliger Höhe, die noch in diesem Jahr fällig werden. Weitere erhebliche Nachforderungen sind zu erwarten und auch zukünftig drohen wesentlich höhere steuerliche Belastungen. Damit ist die VVN-BdA in ihrer Existenz bedroht.

Das Finanzamt Berlin handelt damit anders, als das Finanzamt Oberhausen-Süd, das der Landesvereinigung NRW die Gemeinnützigkeit am 22. Oktober gewährt hat. In beiden Fällen war derselbe Vorwurf erhoben worden. Er besteht darin, dass die Landesvereinigung Bayern der VVN-BdA im bayrischen Verfassungsschutzbericht wiederholt als linksextremistisch beeinflusst dargestellt wird. Während das Finanzamt Oberhausen-Süd der Widerrede der VVN-BdA im Anhörungsverfahren entsprach, beharrt das Berliner darauf, dass „der volle Beweis des Gegenteils, als Widerlegung der Vermutung als extremistische Organisation“ nicht erbracht worden sei.

Das bedeutet, dass die Bewertung durch eine nachgeordnete bayrische Landesbehörde, die laut bayrischem Gerichtshof keine Tatsachenbehauptung darstellt, demnach über das Schicksal einer bundesweit arbeitenden zivilgesellschaftlichen Organisation entscheiden dürfen soll.

Von Überlebenden der Konzentrationslager und Gefängnisse 1947 gegründet, ist die VVN-BdA seitdem die größte, älteste, überparteiliche und überkonfessionelle Organisation von Antifaschistinnen und Antifaschisten Deutschlands. Sie vertritt die Interessen von Verfolgten und Widerstandskämpfern, sowie deren Nachkommen, tritt für Frieden und Völkerverständigung ein und hat gegen große gesellschaftliche Widerstände wesentlich dafür gesorgt, dass die Verbrechen des Nazi-Regimes nicht in Vergessenheit geraten sind, u.a. durch den Einsatz für die Errichtung von Gedenkstätten und Erinnerungsorten und vielfache Zeitzeugenarbeit. Sie informiert über aktuelle neofaschistische Umtriebe und organisiert den Widerstand in breiten Bündnissen.

Wir sind entsetzt und empört darüber, dass sich das Berliner Finanzamt die haltlosen Unterstellungen der bayrischen Behörde ungeprüft zu eigen macht. Damit behindert es genau das zivilgesellschaftliche Engagement, das von Regierung und Parteien angesichts schrecklicher rechtsterroristischer Verbrechen allenthalben eingefordert wird.

Wir fordern die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für unsere Organisation!

Wir fordern praktische Unterstützung für alle zivilgesellschaftlichen Gruppen und Organisationen, die die Grundwerte des Grundgesetzes gegen rassistische, antisemitische, nationalistische und neofaschistische Angriffe verteidigen!

Presseerklärung: VVN-BdA kritisiert Potsdamer Polizei

22. November 2019

Presseerklärung: VVN-BdA kritisiert Potsdamer Polizei

Die Potsdamer Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnnen und Antifaschisten (VVN-BdA) kritisiert die wiederholte Störung von zwei Gedenkveranstaltungen durch die Potsdamer Polizei in den letzten Tagen.

Am Samstag, dem 09.11.2019 störte die Polizei das seit vielen Jahren stattfindende Gedenkenan die Reichspogromnacht von 1938. Dieses Gedenken wird von antifaschistischen Gruppen und der VVN-BdA organisiert und findet jedes Jahr am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Platz der Einheit statt.

Auch am Dienstag, dem 12.11.2019, beim Gedenken an die Ermordung Herbert Ritters im Jahr 1931 am Babelsberger Weberplatz störte die Polizei das Gedenken.

In beiden Fällen liefen uniformierte Polizisten während der Gedenkzeremonie durch anwesende Personengruppen und störten durch laute Unterhaltungen oder durch das geräuschvolle Abparken der Einsatzwagen in unmittelbarer Umgebung. Sie fragten, wer der Versammlungsleiter sei und notierten die Namen von Teilnehmer*innen der Gedenkveranstaltungen.

Wir sehen in diesem Verhalten einen schweren Eingriff in die Gedenkkultur der Landeshauptstadt Potsdam. Vor über 20 Jahren teilte die Potsdamer Staatsanwaltschaft mit, dass Gedenkveranstaltungen nicht anmeldepflichtig sind, wenn sie an einem dafür bestimmten Ort von einem begrenzten Personenkreis abgehalten werden. Seitdem finden Gedenkveranstaltungen in Potsdam ohne Anmeldezwang statt, wenn kein besonderer Bedarf für polizeiliche Maßnahmen besteht.

Die VVN-BdA wird auch künftig nicht mit der Polizei darüber verhandeln, ob und in welcher Form wir an extra dafür geschaffenen Gedenkorten an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern dürfen. Als Verband, der von den Opfern des Nationalsozialismus gegründet wurde, finden wir das Verhalten der Polizei zutiefst beschämend und verurteilen es. Während in Deutschland der Rechtsterrorismus und Anschläge auf Andersdenkende und Geflüchtete weiter zunehmen, sowie Antisemitismus und Rassismus im Allgemeinen ein zunehmendes gesellschaftliches Problem darstellen, hat die Potsdamer Polizei nichts anderes zu tun, als Gedenkveranstaltungen zu stören und zu kriminalisieren.

Seit 20 Jahren konnten in Potsdam antifaschistische Gedenkveranstaltungen ohne nennenswerte Störungen durchgeführt werden. Warum die Potsdamer Polizei in diesen Gedenkveranstaltungen nun eine Gefahr sieht, warum sie Namen von Teilnehmer*innen notiert und warum sie verantwortliche Personen benannt haben will, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Polizei täte gut daran, in einer Stadt, die sich Toleranz und Vielfalt auf die Fahnen geschrieben hat, weiterhin ein würdiges Gedenken an die Opfer von Antisemitismus, Faschismus und Rassismus zuzulassen und künftig pietätlose Störmanöver in Gedenkveranstaltungen zu unterlassen.

VVN-BdA Potsdam

Presseerklärung als PDF-Dokument

Erinnerungsstunde für Willi Frohwein

18. November 2019

In diesem Jahr jährt sich der 10. Todestag des Antifaschisten und Auschwitz-Überlebenden Willi Frohwein, der am 12.12.2009 im Alter von 86 Jahren in Potsdam-Babelsberg verstarb.

Willi Frohwein engagierte sich vor allem in der politischen Bildungsarbeit mit jungen Menschen und war Gründungsmitglied des Landesverbandes der VVN-BdA in Brandenburg. Als Würdigung für sein Wirken durfte er sich in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Potsdam eintragen.

Am Donnerstag, den 12.12.2019, wird um 19 Uhr eine kulturelle Veranstaltung im Kino Thalia (Rudolf-Breitscheid-Str. 50, 14482 Potsdam-Babelsberg) stattfinden.

Gezeigt wird unter anderem ein Dokumentarfilm über Willi Frohwein, wir widmen uns einigen Episoden aus seinem Leben und Wirken, Freunde und Familie werden zu Wort kommen und wir hören Musik.

Gedenken an die Reichspogromnacht am 09.11.

21. Oktober 2019

In der Landeshauptstadt Potsdam findet in diesem Jahr wieder unter Mitwirkung der VVN-BdA ein vielfältiges Gedenken an die Reichspogromnacht von 1938 statt. Die Veranstaltungen beginnen schon morgen und ziehen sich bis zum 12.11. Im Mittelpunkt stehen die beiden Gedenkveranstaltungen am Jahrestag der Reichspogromnacht in Potsdam und in Potsdam-Babelsberg.

 

22.10.2019 // 18 Uhr // Sputnik Potsdam

Potsdams Gedenktafeln und -Orte – Vortrag

 

29.10.2019 // 18 Uhr // Platz der Einheit

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ – Workshop

 

03.11.2019 // 18 Uhr // Kuze Potsdam

Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie – Lesung

 

05.11.2019 // 18 Uhr // Seminarraum Freiland Potsdam

Antisemitismus in deutschen Familien – Vortrag

 

09.11.2019 // 11 Uhr // Spitzweggasse 2a Babelsberg

Gedenkveranstaltung am ehemaligen Jüdischen Altenheim

 

09.11.2019 // 18 Uhr // Platz der Einheit

Gedenkveranstaltung

 

12.11.2019 // 18 Uhr // Cafe HausZwei Freiland

Vilma Steindling – Eine jüdische Kommunistin im Widerstand – Lesung und Gespräch

Solidarität mit den in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden – gerade jetzt!

10. Oktober 2019

Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir den Aufruf der Berliner VVN-BdA:

 

Liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe und verehrte Freunde,

fassungslos erfuhren wir, dass es am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, dem Versöhnungstag, einen Anschlag auf die vollbesetzte Synagoge in Halle gegeben hat. Zwei Menschen wurden erschossen, weitere schwer verletzt. Womöglich konnte Schlimmeres dank der festen und besonnenen Handlungsweise der Jüdischen Gemeinde von Halle verhindert werden, die die Türen der Synagoge von innen verbarrikadiert hatte. Eines steht fest: Das Datum ist bewusst gewählt. Ein Freudentag für alle Jüdinnen und Juden soll durch die Bluttat in Halle mit Schrecken versehen werden.

Inzwischen wurde ein Täter verhaftet. Eindeutig ist der rechtsextreme und antisemitische Hintergrund der Tat, und wieder einmal steht jetzt schon fest, dass es sich bei dem „bisher unaufffälligen“ 27-Jährigen aus Eisleben um einen „Einzeltäter“ handelt. Tatsächlich? Erneut rächt sich, dass Antisemitismus in diesem Land nicht konsequent bekämpft wird, dass die Bundesrepublik Deutschland zögerlich gegen rechtsextremistische Umtriebe vorgeht, dass der NSU-Komplex mit seinen Hintergründen nicht aufgeklärt wurde, dass die rechtsradikalen und neofaschistischen Netzwerke bei Polizei, Bundeswehr, Verfassungsschutz nicht konsequent aufgedeckt und verfolgt werden, dass neofaschistische Kampfsportgruppen, Organisationen und Parteien nicht verboten werden. In Deutschland lebende Jüdinnen und Juden fühlen sich in diesem Land zunehmend nicht mehr sicher – trotz Polizeischutz und Sicherheitsmaßnahmen. Die Berliner VVN-BdA erklärt ihre Solidarität mit den Betroffenen und den jüdischen Gemeinden in Deutschland und steht fest an ihrer Seite. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Doch Betroffenheitsbekundungen reichen nicht aus.

Wir fordern weiter das Verbot aller rechtsextremistischen, neofaschistischen Organisationen und Netzwerke, denn sie sind inzwischen zu einer realen Bedrohung der Demokratie in diesem Land geworden. Es ist höchste Zeit, dass alle demokratischen Kräfte sich zusammentun, um den erneut aufkommenden braunen Spuk schnellstens zu beenden. Wann, wenn nicht jetzt, muss ein Abgleiten der Gesellschaft in die Faschisierung gestoppt werden. „Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf…“ (Erich Kästner).

Die Berliner VVN-BdA

Landtagswahlen im September 2019

31. Juli 2019

Am 1. September stehen in Brandenburg die Landtagswahlen an, es bleibt also noch ein ganzer Monat. Derzeitige Umfragen sehen die rassistische und rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) weit vorn. Es droht, dass sie die meist gewählte Partei im Landtag wird. Aus demokratischer und antifaschistischer Sicht wäre dies ein enormer Rückschritt, schließlich gilt der brandenburgische Landesverband der AfD unter ihrem Vorsitzenden Kalbitz als ein rechtsextremer Landesverband.

Mehrere Gruppen und Organisationen planen im Vorfeld der Landtagswahlen verschiedene Aktionsformen. Dazu zählen Demonstrationen, Konzerte und Veranstaltungen. Auf dem Webportal Inforiot gibt es eine Auflistung von Terminen in Brandenburg. Auch die bundesweiten Kampagnen „Nationalismus ist keine Alternative“ und „Aufstehen gegen Rassismus“ verfügen über Materialien und Terminkalender. Verwiesen sei noch einmal auf das landesweite Netzwerk „Aktionsbündnis Brandenburg“, in dem fast 30 Brandenburger Organisationen koordiniert sind.

Wir, als VVN-BdA Land Brandenburg, erhoffen uns nicht nur im Zuge des Wahlkampfes eine zivil-gesellschaftliche Mobilisierung gegen Populismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Dabei braucht es die AfD gar nicht in der politischen Regierungsverantwortung wie im Landtag und in den Kreisen, um ihr rassistisches sowie demokratie- und menschenfeindliches Bild im Alltag zu spüren. Sich dagegen einzusetzen und eine demokratische und tolerante Gesellschaft im Blick zu haben muss unser aller Verantwortung und Ziel sein.

Webseite Inforiot

Webseite „Nationalismus ist keine Alternative“

Webseite „Aufstehen gegen Rassismus“

Webseite „Aktionsbündnis Brandenburg“

8. Mai – Tag der Befreiung

6. Mai 2019

Im Land Brandenburg gibt es eine Vielzahl an Erinnerungsstätten, Gedenkstätten und Friedenhöfen, die an die Befreiung von Ortschaften und Konzentrations- bzw. Außenlager erinnern. Mit dem 8. Mai jährt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 74. Mal. Ziel ist es, sowohl am 8. Mai selbst, als auch an den authentischen Tagen der Befreiung von Orten, die Erinnerung an begangene Verbrechen wachzuhalten, die Befreiung der Roten Armee zu würdigen sowie an Verfolgte und Opfer zu erinnern. In vielen Orten gibt es dazu Gedenkveranstaltungen und Feierlichkeiten.

Im Osten war die Rote Armee in der Weichsel-Oder-Operation bereits Mitte Februar 1945 auf ganzer Länge bis zur Oder vorgerückt. Die Stoßrichtung war Berlin und dazu musste auf brandenburgisches Territorium vorgerückt werden. Mit dem Vorrücken der Roten Armee und als sich die Niederlage der Wehrmacht abzeichnete, begann die SS-Führung mit der Planung der Evakuierung bzw. Ermordung der Häftlinge. So trieb sie unter anderem in Lieberose Anfang Februar 1945 die gehfähigen Häftlinge in Eilmärschen über Potsdam nach Sachsenhausen, wo die meisten ermordet wurden.

Am 16. April eröffnete die Rote Armee ihre Großoffensive entlang der Oderfront mit dem Ziel Berlin. Erinnert sei hier an die Schlacht um die Seelower Höhen und die dortige Gedenkstätte. In Frankfurt/Oder erhöhten die sowjetischen Truppen den Druck auf die Stadt ab dem 20. April, die dann am 23. April einrückten.

Die Räumung des KZ Sachsenhausen begann in den Morgenstunden des 21. April 1945. Mehr als 30.000 Häftlinge trieb die SS nach Nordwesten. An diese Todesmärsche, auch aus dem Konzentrationslager Ravensbrück, erinnern in vielen Dörfern und Ortschaften Gedenksteine und Gedenktafeln. Tausende starben hierbei, ein besonders beeindruckender Ort der Erinnerung ist die Gedenkstätte Beelower Wald. Am 22. April 1945 befreiten Einheiten der sowjetischen und polnischen Armee schließlich etwa 3.000 im Lager zurückgebliebene Häftlinge in Sachsenhausen.

Ein weiterer markanter Ort, allerdings im Süden gelegen, ist das KZ-Außenlager Schlieben des KZ-Stammlagers Buchenwald. Im April 1945, kurz vor der Eroberung durch Truppen der Roten Armee, verließen zwei Häftlingstransporte das Lager in Richtung Theresienstadt. Schlieben wurde am 21. April von der Roten Armee befreit. Nur einen Tag später folgte Cottbus, dort zum Beispiel mit dem großen Zuchthaus.

Sowjetische Truppen rückten am 27. April in Brandenburg/Havel ein und befreiten die Stadt. Einen Tag später wurde das Zuchthaus geräumt, da es zwischen die Fronten zu geraten drohte. Mehr als 3.000 Inhaftierte machten sich auf den schwierigen Weg in ihre Heimatorte. Potsdam folgte am selben Tag. Die Rote Armee nahm die Stadt Potsdam im Zuge der Einkesselung Berlins am 27. April ein. Der Stadtteil Babelsberg wurde schon einige Tage vorher der Roten Armee fast kampflos überlassen.

Auch in Luckenwalde sehnten sich Inhaftierte nach der Befreiung. Das riesige Kriegsgefangenenlager STALAG III A wurde 1945 als eines der letzten Lager überhaupt von der Roten Armee befreit. Im Konzentrationslager Ravensbrück fand die Rote Armee am 30. April 1945 rund 2.000 zurückgelassene Kranke. Doch mit der Befreiung war das Leid für einen Großteil der Inhaftierten aus allen Lagern noch nicht vorbei, denn die Bedingungen und Folgen ihrer Haft sorgten in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren weiterhin für Todesfälle und unbeschreibliche Qualen.

Als einer der letzten Orte wurde Bad Belzig am 3. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges sollten aus dem zum KZ Ravensbrück gehörenden Außenlager Roederhof 600 gefangene Frauen nach Altengrabow evakuiert werden. So wie in Bad Belzig, gab es große KZ-Außenlager und Zwangsarbeit in vielen anderen Ortes des Landes, so beispielsweise in Falkensee, Kleinmachnow oder Schwarzheide, wo ebenfalls Erinnerungsinitiativen bestehen. Zum Schluss sei darauf verwiesen, dass es in vielen Orten im Land Brandenburg sowjetische Ehrenfriedhöfe gibt, die gerade zum 8. Mai (nach Moskauer Zeit am 9. Mai), zum Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus, eine Würdigung verdient haben.

Спасибо! Spasibo! Danke!

Todesmärsche in Brandenburg 1945: Die Räumung des KZ-Komplexes Sachsenhausen

5. April 2019

Der Vortrag widmet sich den nachträglich als „Todesmärsche“ bezeichneten Konzentrationslager-Räumungstransporten in Brandenburg ab Januar 1945. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Räumungsvorbereitungen durch die SS und dem Abtransport der Gefangenen des Konzentrationslagers (KZ) Sachsenhausen. Das KZ Sachsenhausen wurde in den Jahren 1936/37 – im gleichnamigen Ortsteil von Oranienburg bei Berlin – von Gefangenen selbst erbaut. Die Insass*innen hatten Zwangsarbeit in den angegliederten Einrichtungen der SS sowie in den rund um Oranienburg angesiedelten Produktionsbetrieben der Rüstungsindustrie zu leisten. Heutigen Schätzungen zufolge wurden insgesamt 240.000 Menschen im Lagersystem von Sachsenhausen inhaftiert, schätzungsweise 100.000 kamen dabei ums Leben. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde am 22. April 1945 von der Roten Armee befreit. Der Räumungstransport der KZ-Insass*innen begann am 21. April 1945 und endete zwischen dem 3. und 6. Mai 1945 im Raum Parchim-Ludwigslust-Schwerin (heutiges Bundesland Mecklenburg) mit der Befreiung durch die amerikanische und die sowjetische Armee beziehungsweise der Flucht der SS sowie den ihr unterstellten Wachmannschaften und dem Sich-Selbst-Überlassen der Gefangenen. Er führte schätzungsweise 33.000 Gefangene auf mehreren Routen ab Oranienburg durch Dörfer, Städte, ländliches und Waldgebiet in Richtung Nordwesten und machte zum Sammeln der Kolonnen in einem Waldstück bei Below (Wittstock) Halt. Mehr als 1.000 Gefangene starben unterwegs oder wurden zumeist per Kopfschuss von den Wachmannschaften erschossen.

Zeit: 25.04.2019 um 19 Uhr

Ort: Buchladen Sputnik, Charlottenstraße 28, Potsdam

CV
Janine Fubel, M.A., studierte Kulturwissenschaft und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit den deutschen Deportationspraktiken im Zuge nationalsozialistischer Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und promoviert aktuell zum Thema „Todesmarsch aus dem KZ-Sachsenhausen“ ebenfalls an der Humboldt-Universität.

Eine Veranstaltung des Spartacus e.V und der VVN-BdA im Land Brandenburg (Der Eintritt ist frei)

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